Informatik als Schul-Pflichtfach gefordert

Workshop Jugendliche sind bei der Arbeit am Computer häufig überfordert
 

Oldenburg - Die Vermittlung von Informatik an Schulen stand im Mittelpunkt eines Workshops an der Universität Oldenburg, zu dem fast 60 Forscher aus der gesamten Bundesrepublik kamen. Der Workshop wurde von Professor Dr. Ira Diethelm, Hochschullehrerin für Informatik in der Bildung, in Kooperation mit der Gesellschaft für Informatik organisiert.

„Nach grundlegender Diskussion und vor dem Hintergrund der neuesten Forschungsergebnisse der Tagung kann es nur eine mögliche Folgerung geben“, erklärt Tagungsleiterin Diethelm. „Informatik muss Pflichtfach an Schulen werden!“

Facebook, Google StreetView oder die neueste Version von Microsoft Office – die Entwicklung im Software-Bereich läuft rasend schnell. Eine Entwicklung, mit der Kinder und Jugendliche kaum Schritt halten können. „Wir dürfen nicht dem Irrglauben erliegen, dass Kinder sich die zugrunde liegenden Zusammenhänge selbst aneignen können, wenn sie nur genügend Zeit vor dem Computer verbringen“, erklärt Diethelm. Der Oldenburger Informatiker Stefan Zumbrägel untermauert in seinem Vortrag „Wie funktioniert eigentlich das Internet? – Empirische Untersuchung von Schülervorstellungen“ Diethelms These. Er stellte in einer Untersuchung fest, dass Schüler der siebten und achten Klasse sich oftmals das Internet als einen großen Computer vorstellen, in dem kleine Männchen die E-Mails verteilen.

Der Tagungsband „Didaktik der Informatik. Möglichkeiten empirischer Forschungsmethoden und Perspektiven der Fachdidaktik“ ist im Köllen-Verlag erschienen.

www.lfib.uni-oldenburg.de/

aus NWZ v. 13.10.2010


 

"Hightech-Politik ist Bildungspolitik"

 ... Dabei sucht die Wirtschaft derzeit händeringend nach gut ausgebildeten Informatikern. Dem jährlichen Bedarf von rund 20.000 Informatikabsolventen stehen nur 14.000 fertige Informatiker gegenüber. Dieser Fachkräftemangel sei schon heute sowohl für die IT-Branche selbst als auch für viele Anwenderbranchen ein - laut Bitkom - erhebliches Wachstumshemmnis. "In der Fahrzeugindustrie, im Maschinenbau oder der Medizintechnik kommt ein Großteil der Innovationen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie", erklärt Bitkom-Präsident Willi Berchtold. "Künftig fehlen uns die Spezialisten, die neue Produkte und Dienste entwickeln."

Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern sei ein Symptom für die Schwäche des deutschen Bildungssystems, meint Berchtold. Schon die Schulen müssten durch moderne Unterrichtskonzepte und eine bessere Ausstattung mit Computern und Internetzugängen Begeisterung für technische Themen wecken. "High-Tech-Politik ist in allererster Linie Bildungspolitik", sagt Berchtold. Derzeit müssen sich in deutschen Schulen im Schnitt elf Schüler einen Computer teilen. Damit erreicht Deutschland im europäischen Vergleich lediglich einen 18. Platz.

Überraschend deutliche Worte kamen auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Derzeit laufe nicht alles nach Plan, sagte sie im März dieses Jahres auf der Computermesse CeBIT in Hannover. Deutschland sei technologisch ins Hintertreffen geraten, weil man über Jahre hinweg nicht die notwendige Offenheit und Neugierde für Technik und Innovation gehabt habe, meinte Merkel. Es müsse gelingen, diese Tendenz umzukehren. Davon hänge ab, "ob wir mit denen, die in der Welt dabei sind, mithalten können."

Die Bundeskanzlerin kündigte auf der CeBIT einen nationalen IT-Gipfel an, damit "wir ein besseres Gefühl dafür bekommen, welche Ressourcen wir haben und welche wir noch weiterentwickeln müssen."


aus: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/4/0,3672,4091396,00.html am 18.12.2006


Medienkompetenz - ein Schwerpunkt der Schule

Stimmen zum Thema:

Dr. Michael Maier (45);

Geschäftsführer, Chefredakteur und Miteigentümer der Netzeitung, Deutschlands erster und einziger Tageszeitung, die nur im Internet erscheint.

Was bedeutet „Medienkompetenz" für den Umgang mit dem Internet?

Dr. Maier: User wie Anbieter sollten die zwangsläufig neuen Kommunikationsformen kennen, zum Beispiel, dass sich in letzter Zeit auch die Objekte der Berichterstattung geändert haben. Meldungen über Celebrities oder Interviews mit Politikern etwa sind heute alles andere als authentisch. Die werden von deren PR-Profis vorgefertigt beziehungsweise so lange glatt gebügelt, dass man sie eigentlich nicht mehr zu veröffentlichen braucht.

Prof. Dr. Siegfried Weischenberg(SS):

Direktor des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft sowie des Zentrums für Medienkommunikation an der Uni Hamburg.

Prof, Weischenberg: Medienkompetenz ist heute mehr gefragt als Je zuvor. Dass alle Leute mit allen Medien umzugehen wissen, ist eine paradiesische Vorstellung. In der Tat müssen wir schon in der Schule ansetzen, Kindern sollte zum Beispiel erklärt werden, wie Suchergebnisse und Nachrichten zustande kommen, welche kommerziellen Interessen beispielsweise dahinter stecken können.

aus: Chip 1/2004